In diesem Artikel unternehmen wir einen kleinen Ausflug in die Evolutionstheorie.

Du wirst erfahren, warum es die berüchtigte Männergrippe wirklich gibt, was der wahre Grund dafür ist, dass Frauen auf Muskeln stehen und warum Testosteron ein fälschungssicheres Signal ist.

Doch der Reihe nach:

Erinnerst du dich noch an deinen Bio-Unterricht? Insbesondere an die Stunde über Bienchen und Blümchen?
Gut, dann wollen wir darauf noch ein bisschen aufbauen.

Sexuelle Selektion

Die Natur hat verschiedene Wege gefunden, um die unterschiedlichsten Lebewesen auf diesem Planeten an die verschiedensten Bedingungen anzupassen und eigene Nischen zu finden.

Einer dieser Mechanismen, ist die sog. Sexuelle Selektion. Stark vereinfacht, entscheidet dabei in der Regel das Weibchen einer Art (in letzter Instanz), mit welchem Männchen es sich fortpflanzt.

Und das ist das Männchen mit den, für das Weibchen, attraktivsten Eigenschaften.

So werden diese besonderen Eigenschaften in die nächste Generation weitergegeben. Gleichzeitig haben diese attraktivsten Männchen einer Art den größten Zugang zu den Weibchen. Denn jedes Weibchen will gesunde, starke Kinder.

Dadurch pflanzen sich bei den meisten Arten lediglich die jeweils attraktivsten Männchen fort. So gibt es Arten, bei denen lediglich 10% der Männchen ihre Gene weitergeben und auch bei uns Menschen sind lediglich 33% unserer Vorfahren männlich und 67% weiblich. (Quelle) Das bedeutet wenige Männer haben viele Kinder, mit vielen verschiedenen Frauen gezeugt und viele Männer haben sich überhaupt nicht fortgepflanzt.

Durch diesen tausende von Jahren dauernden Prozess der Weitergabe (und Weiterentwicklung) attraktiver Eigenschaften, entstand bei Pfauen das überdimensionierte Gefieder, bei Hirschen das riesige Geweih, bei Löwen die Mähne etc. etc.

Es haben sich bestimmte, attraktive Eigenschaften durchgesetzt und mehr und mehr verfeinert.

Handicap-Prinzip

Doch warum wirken diese Attribute attraktiv auf das jeweilige Weibchen?
Dazu gibt es verschiedene Theorien. Eine davon ist das Handicap-Prinzip.

Die Pfauen mit dem gewaltigen Gefieder, die Hirschen mit dem schweren Geweih und die Löwen mit der massiven Mähne nehmen alle ein großes Risiko in Kauf, um diese Attribute aufzuweisen: Der lange Schweif behindert den Pfau bei der Flucht vor Fressfeinden, das Geweih des Hirschs ist schwer und kostet viel Energie, die Mähne des Löwen sorgt für Hitzestress in der aufgeheizten Savanne.

Doch gerade durch diese Risiken senden die Männchen ein sog. Ehrliches Signal. Denn diese verschwenderischen Attribute zeigen dem Weibchen: Dieses Männchen muss so fit, stark und gesund sein, dass es sich diese aufwändigen Eigenschaften leisten kann. Das Männchen kann das Risiko eingehen, das mit diesen Attributen einhergeht, weil es dermaßen fit ist.

Es ist ein ehrliches Signal, weil es sich nicht fälschen lässt. Es lässt sich nicht schauspielern oder nachahmen von den gleichgeschlechtlichen Artgenossen.

Und für den Fall, dass du dich schon fragst, worauf ich hiermit hinaus will: Testosteron ist ebenfalls eins dieser ehrlichen Signale. Es verstärkt männliche, sexualdimorphe Merkmale, wie die dichte Mähne des Löwen und eine tiefe Stimme, Muskelaufbau, etc. bei uns Menschen. (Quelle)
Außerdem helfen diese Attribute in den meisten Fällen, um einen Vorteil über die Konkurrenten zu erzielen. (Intrasexuelle Selektion)

Das ist auch der eigentliche, evolutionsbiologische Grund, warum Frauen Muskeln attraktiv finden. Muskeln sind ein aufwändiges Attribut. Sie kosten viel Energie und senden dadurch ein ehrliches Signal an Konkurrenten und Frauen.

Gleichzeitig mindert Testosteron die Immunabwehr des Körpers.
Dadurch sind nur besonders gesunde und besonders fitte Männer in der Lage, das Risiko eines hohen T-Spiegels und der damit verbundenen Eigenschaften einzugehen, um die Immunschwächung zu kompensieren. (Quelle)

Deshalb ist die schmerzhafte „Männergrippe“ durchaus Realität.

Das Immunsystem von Männern reagiert durch Testosteron tendenziell etwas langsamer als das von Frauen auf Krankheitserreger. Deshalb leiden Männer stärker unter derselben Erkrankung. (Quelle)

Fazit

Manchmal braucht es einen Blick hinter die Kulissen.

Dieser Artikel enthält zwar keine praktischen Strategien, um deinen Testosteronspiegel zu steigern, aber er ist wichtig für ein besseres Verständnis für die Funktionsweise des Hormons.

Zusammengefasst: Lass dir nicht einreden, deine Männergrippe wäre eingebildet und steigere dein Testosteron, um ein ehrliches Signal an deine „Konkurrenten“ und Weibchen zu senden.

Share: