Testosteron dumm

Testosteron dumm

„Testosteron blockiert Denkprozesse bei Männern“

Heißt es in einem kürzlich publizierten Artikel aus dem Spiegel.[1]

Auch die Augsburger Allgemeine titelte zuvor:

„Macht Testosteron blöd?“[2]

In diesem Artikel habe ich dir einige Vorteile vorgestellt, die ein, auf natürliche Weise gesteigerter Testosteronspiegel mit sich bringt.

Doch sind diese jetzt wertlos, weil Testosteron zwar „körperliche“ Attribute verbessert, aber gleichzeitig auch dafür sorgt, dass wir verblöden?

Schauen wir uns mal die Fakten an.

In der Studie auf die sich die beiden Artikel beziehen, wurde 243 männlichen Probanden entweder ein Placebo verabreicht oder künstliches Testosteron. Anschließend sollten die Teilnehmer einen sogenannten Cognitive Reflection Test (CRT) durchführen. Dieser soll zeigen inwieweit eine Person dazu fähig ist, statt einer falschen, intuitiven Antwort aus dem Bauchgefühl, durch Reflexion und Nachdenken eine richtige Antwort zu geben.[3]

Eine Beispielfrage lautet: „Ein Schläger und ein Ball kosten zusammen 1,10 Dollar. Der Schläger kostet einen Dollar mehr als der Ball. Was kostet der Ball?“ Die „Bauchgefühl-Antwort“ der mit Testosteron behandelten Männer war im Schnitt öfter 0,10 Dollar. Richtig ist aber 0,05 Dollar.

Die Studie kam also in der Tat zu dem Ergebnis, dass Männer, denen zusätzliches Testosteron verabreicht wurde, im Schnitt schlechter im Test abschnitten als die Probanden, die ein Placebo erhalten hatten. Also ist die Schlussfolgerung des Focus korrekt und Testosteron macht blöd?

Weit gefehlt. Denn nicht nur die Fähigkeit zur kognitiven Reflexion ist ein Faktor, der nach der Testosteronbehandlung Einfluss auf das Testergebnis haben kann, sondern auch verringerter Einsatzwillen und Motivation den Test durchzuführen, oder arithmetische Fähigkeiten. Und so wurden im Rahmen der gleichen Studie Kontrollversuche durchgeführt, die diese anderen Faktoren untersuchen sollten.

Zu welchem Ergebnis kommen also am Ende ihrer Untersuchungen die Forscher selbst?

Der Einfluss von Testosteron auf die im Schnitt schlechteren Ergebnisse der behandelten Gruppe ist dadurch zu erklären, dass Testosteron die Wahrscheinlichkeit verringert, sich in langatmige, stumpfe, kognitiv anspruchsvolle Aufgaben zu versenken. Aber die Fähigkeit die Aufgaben zu lösen, also die kognitive Reflexion, bleibt intakt und damit vom erhöhten Testosteron unberührt.

 

Die biologische Erklärung dafür klingt einleuchtend, lässt gleichzeitig aber auch die praktische Relevanz in Frage stellen: In der Studie wurde Testosteron künstlich innerhalb von wenigen Sekunden sehr stark erhöht. Es handelte sich dabei nicht um eine dauerhafte Steigerung, sondern nur einen kurzen Spike.
Diese starke Erhöhung in kurzer Zeit kommt in der Natur nur in wenigen Situationen vor. Eine davon ist das Erblicken eines attraktiven, potenziellen Partners. Eine andere sind Kampf-oder Fluchtsituationen.

In diesen Momenten sind instinktive Handlungen aus dem Bauch heraus besser für das eigene Überleben (oder das Überleben der eigenen DNA), als lange zu reflektieren und jedes Szenario zu durchdenken. Testosteron wird ausgeschüttet und scheint ein Faktor zu sein, der dazu beiträgt, dass eher aus dem Bauch gehandelt wird.

Das Problem für die Praxis ist hier: Der starke Anstieg, der sonst nur in bestimmten „instinktiven“ Situationen wichtig ist, wird hier für die Lösung kognitiv anspruchsvoller Aufgaben erzeugt. Das lässt jedoch keinen Schluss zu der Frage zu, welchen Effekt ein „dauerhaft“, auf natürliche Weise, erhöhter Testosteronspiegel auf die kognitiven Fähigkeiten hat. Denn dieser gibt dem Gehirn nicht das Signal, sich in einer Ausnahmesituation zu befinden, so wie es der künstliche, kurzfristige Anstieg macht.

 

Das sind sehr wacklige Beine, um darauf die These aufzustellen, dass Testosteron Denkprozesse blockiert.

Schauen wir uns mal die andere Seite an:

Beauchet zeigt in seiner Studie von 2006, dass Männer mit niedrigen Testosteronwerten im Schnitt häufiger darüber klagen, Schwierigkeiten zu haben, sich Dinge zu merken und sich nicht gut konzentrieren können.[4]

Und noch einen Schritt weiter:

Niedrige Testosteronwerte werden sogar mit Alzheimer in Verbindung gebracht.[5]

Testosteron macht nicht dumm, sondern erfolgreich

So gibt es einige Studien, die zeigen, dass Testosteron sogar ein sehr essenzieller Faktor ist, wenn es um Antrieb, Siegeswillen und Erfolg geht:

Coates und Herbert haben in ihrer Studie einen Zusammenhang zwischen hohen Testosteronwerten und finanziellem Erfolg festgestellt. Sie untersuchten Börsenhändler und stellten fest, dass diejenigen mit höheren Werten im Schnitt auch die erfolgreicheren waren.[6]

In einer Studie von 2006 wurde anhand der Testosteronwerte vorausgesagt, ob jemand nach einer Niederlage in einem Spiel noch einmal bereit ist zu spielen, oder aussteigt. Wenn nach der Niederlage der Testosteronspiegel abfiel, dann war es deutlich unwahrscheinlicher, dass der Proband noch eine Partie spielte. Wenn die Werte gleich blieben war er eher geneigt noch eine Partie zu spielen.[7]

In dem Kontext wurde auch der Zusammenhang zwischen Testosteron und dem Streben nach Erfolg und Status bewiesen. Zum einen verstärkt es zweifelsohne den kompetitiven Drive. wobei dies keineswegs aggressives Verhalten hervorrufen muss. Zum anderen steigt Testosteron bei Gewinnern und fällt ab bei den Verlierern.[8]

Eine weitere Studie mit Fußballfans bestätigt dies. Sie zeigt, dass die Fans des Gewinner-Teams höhere Testosteronwerte aufweisen, als die der Verlierer.[9]

Und hier schließt sich der Kreis. Testosteron scheint uns mit allein Werkzeugen auszurüsten, die wir brauchen um erfolgreich zu sein.

Zusammen mit den Ergebnissen aus der eingangs angesprochenen Studie ergibt sich ein sehr wirksamer praktischer Tipp, um optimal zu profitieren.

Wir fassen zusammen:

  • (Kurzfristig gesteigertes) Testosteron verringert die Motivation sich in langwierige Aufgaben zu versenken, die keinen Zweck verfolgen (es wirkt sich aber nicht negativ auf die kognitiven Fähigkeiten selbst aus und kann sie vielleicht sogar verbessern)
  • Es verstärkt den Antrieb und Siegeswillen
  • Es hilft uns Rückschläge einzustecken und schneller wieder aufzustehen
  • Der Spiegel steigt, wenn man gewinnt und fällt, wenn man verliert
  • Ein hoher Testosteronspiegel korreliert bei Börsenhändlern mit finanziellem Erfolg

Zu guter Letzt noch ein bisschen Praxis:

Was können wir aus den Studien für uns mitnehmen?

Aus der Studie, die den negativen Effekt von Testosteron auf die Motivation, sich in langwierige Aufgaben zu versenken, „aufzeigt“, können wir folgendes lernen: Es ist wichtig, sich Ziele zu setzen und seinen Aufgaben eine Bedeutung zu geben.

Das erfüllt einen doppelten Zweck. Zum einen wird der negative Effekt vom Testosteron auf die Motivation sich langwierigen, kognitiv anspruchsvollen Aufgaben zu widmen, ausgehebelt, da diese jetzt einen Sinn haben.

Testosteron erfolgreichZum anderen verstärken sich persönlicher Erfolg, das Streben nach Zielen und Testosteron gegenseitig. Durch das Gefühl des Gewinnens, dass du erlebst, wenn du deine eigenen Ziele erreichst, steigerst du dein T und das wirkt sich wiederum positiv auf deinen Antrieb und deinen Siegeswillen aus.

Stark vereinfacht lässt sich das so darstellen:

 

Ziele setzen

Es gibt viele verschiedene Methoden, die man benutzen kann, um sich Ziele zu setzen. Die bekannteste ist wohl die SMART-Methode. Dabei stehen die Buchstaben für S=Spezifisch, M= Messbar, A=Achievable (erreichbar), R=Realistisch, T=Time framed (an eine Deadline gebunden).

Testosteron zieleJedes Ziel, das du dir überlegst, sollte diese Kriterien erfüllen, damit es für dich genügend Bedeutung und Relevanz hat. Es sollte konkret sein und allgemein formuliert, damit es Anziehungskraft hat. Du musst wissen, wann du das Ziel erreicht hast und es muss im Rahmen des Möglichen liegen. Wenn du schon vorher weißt, dass es unmöglich ist, das Ziel in der Zeit zu erreichen, die du dir selbst gesetzt hast, dann wird dich dein Unterbewusstsein sabotieren.

Bereiche, die sich für persönliche Ziele anbieten, sind alle die für dich Bedeutung haben: Karriere, Familie & Freunde, Partnerschaft, Spiritualität, Finanzen, Reise-Ziele, Persönlichkeitsentwicklung.

Du kannst dir für jeden Bereich Jahresziele setzen und diese runterbrechen auf Monatsziele oder sogar auf Wochenziele.

Fazit

Auch wenn es in der Öffentlichkeit immer noch einen schlechten Ruf zu haben scheint, sprechen alle Tatsachen dafür, dass Testosteron alles andere als dumm macht.

Sondern ganz im Gegenteil: Es trägt einen großen Teil dazu bei, dass wir persönlich erfolgreich sind, indem es uns mit den Instrumenten ausrüstet, die wir dafür brauchen.

Danke fürs Lesen und lasse mich wissen, was deine Meinung zu dem Thema ist.

 

 

[1] http://www.focus.de/wissen/praxistipps/testosteron-beim-maennern-blockiert-das-sexualhormon-denkprozesse_id_7078579.html

[2] http://www.augsburger-allgemeine.de/wissenschaft/Macht-Testosteron-bloed-id43169391.html

[3] https://en.wikipedia.org/wiki/Cognitive_reflection_test

[4] Beauchet, Olivier (2006): Testosterone and cognitive function: current clinical evidence of a relationship. In: European journal of endocrinology 155 (6), S. 773–781. DOI: 10.1530/eje.1.02306.

[5] https://www.webmd.com/alzheimers/news/20101008/low-testosterone-linked-to-alzheimers-risk#1

[6] Coates, J. M.; Herbert, J. (2008): Endogenous steroids and financial risk taking on a London trading floor. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America 105 (16), S. 6167–6172. DOI: 10.1073/pnas.0704025105.

[7] Mehta, Pranjal H.; Josephs, Robert A. (2006): Testosterone change after losing predicts the decision to compete again. In: Hormones and behavior 50 (5), S. 684–692. DOI: 10.1016/j.yhbeh.2006.07.001.

[8] Mazur, A.; Booth, A. (1998): Testosterone and dominance in men. In: The Behavioral and brain sciences 21 (3), 353-63; discussion 363-97.

[9] http://www.newswise.com//articles/testosterone-levels-rise-in-fans-of-winning-teams

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