Nicht ohne Grund bekommen Mädchen früher ihre Periode, als es noch vor 50 Jahren der Fall war. Nicht ohne Grund haben Frauen größere Brüste, als Frauen vor 50 Jahren. Und nicht ohne Grund haben Männer heute niedrigere Testosteronwerte als Männer vor 50 Jahren.

Wir erleben zur Zeit eine massive Beeinflussung unserer Hormone. Überall kommen wir in unserem Alltag mit Chemikalien in Kontakt, die entweder hormonähnlich sind (=Xenoöstrogene), oder eine schädliche Wirkung auf unsere Hormone haben (=endokrine Disruptoren).

Einige dieser Einflüsse habe ich hier und hier besprochen.

Heute widmen wir uns einer weiteren Kategorie von Gesundheitsschädlingen, die gleichzeitig wohl auch Hauptverantwortlicher ist für den rapiden „hormonellen Verfall“, den wir aktuell sehen: Den Pestiziden.

Pestizide und die Testosteronproduktion

Insbesondere ein Pflanzschutzmittel hat in letzter Zeit große Aufmerksamt erfahren, das Glyphosat. Dieser vom Monsanto-Konzern entwickelte „Unkrautvernichter“, ist eines der weltweit am meisten verkauften Pestizide.

Seine Wirkung wird so beschrieben:

Glyphosat ist ein Total-Herbizid, also ein umfassender Pflanzenvernichter. Es zerstört alle Pflanzen, egal ob Kultur-oder Wildpflanze. Jeder Bewuchs wird nach dem Verspritzen des Giftes braun und stirbt ab, es sei denn, die Pflanze ist genmanipuliert, dann überlebt sie die Giftdusche. „In den 80er Jahren stand ich zum ersten Mal mit dem Chef meines damaligen Ausbildungsbetriebs vor so einem totgespritzen Acker. Wir waren sprachlos, fassungslos, wie man so mit einem lebendigen Acker umgehen kann, schon damals eine Bankrotterklärung an alles ackerbauliches Wissen und Fähigkeiten der Landwirte“, betont Annette Berndt, Sprecherin der Piratenpartei für Landwirtschaft.“[1]

Charmant.

Auch wenn (gerade von der Nahrungsmittelindustrie) noch oft behauptet wird, dass noch nicht abschließend bewiesen sei, dass Pflanzenschutzmittel gesundheitsschädlich sind, sieht die Beweislage in Bezug auf die Hormone ganz anders aus: Schon kleine Dosen haben einen direkten Effekt auf Testosteron, denn die Produktion wird durch das Herbizid schon in den Zellen unterdrückt, die das Hormon herstellen.[2]

Eine weitere Studie mit Ratten stellte fest, dass Glyphosat wortwörtlich die Maskulinisierung aufhält und das Verhalten, sowie Partnerwahl verändert und die reproduktiven Funktionen beschädigt.[3]

Glyphosat ist allerdings bei weitem nicht das einzige Problem:

  • Ein weiteres Pestizid, dass in den USA weit verbreitet, in Deutschland zwar seit Jahren verboten ist, aber dessen Spuren bis heute im Grundwasser messbar sind, ist Atrazin.[4] Es senkt nicht nur die Testosteronspiegel von Fischen, Amphibien und Nagetieren, sondern es gibt sogar Studien, die zeigen, dass erhöhte Atrazin Konzentrationen im Wasser männliche Frösche in weibliche umwandeln. Ihnen wachsen sogar Eierstöcke![5]
  • Vinclozolin ist ein sogenanntes „Fungizid“ und ist zwar auch seit etwa 2004 in Deutschland verboten, aber Rückstände zeigen sich auch heute noch auf konventionellem Obst. Besonders, wenn es importiert ist.[6] Es unterdrückt die Produktion von Testosteron und hat einen „feminisierenden“ Effekt. In einer Studie mit Ratten zeigt sich seine Wirkung auch noch in den Urenkeln, der Tiere, die dem Pestizid ausgesetzt waren.[7]
  • In einer großen amerikanischen Studie stellten die Forscher fest, dass 91% der Testpersonen nachweisbare Mengen des Insektengifts chlorpyrifos im Körper haben.[8] Dieses Pestizid hat in verschiedenen Studien gezeigt, dass es signifikant testosteronsenkende Wirkung hat.[9]
  • Diese Ergebnisse beschränken sich leider nicht auf ausgewählte Pflanzenschutzmittel: In einer Studie von 2011 fanden die Forscher heraus, dass von 37 getesteten Pestiziden, 30 die männlichen Sexualhormone unterdrücken.[10]

Was man dagegen machen kann

Der nachweislich effektivste Weg ist es, gerade bei Obst und Gemüse nur noch „organic“ oder BIO einzukaufen.[11] Also Lebensmittel, die nicht behandelt wurden.

In Schweden hat eine 5-köpfige Familie, die vorher konventionelle Lebensmittel gekauft hat, für zwei Wochen komplett auf Bio umzusteigen. Vorher und nachher wurden von allen Familienmitgliedern Urinproben untersucht, mit folgendem Ergebnis: Vor dem Test fand der Forscher in allen Proben Insektizide, Fungizide und Mittel, die zur Förderung des Pflanzenwachstums eingesetzt werden. Nach dem Experiment konnten nur noch Spuren von Pestiziden festgestellt werden.[12]

Wir müssen uns aber nicht mit 5 Studienteilnehmern begnügen. Es gibt zahlreiche Studien, die zeigen, dass „organic food“ die Ansammlung von Pestiziden soweit verringert, dass sie irgendwann kaum noch messbar sind.[13]

Insbesondere gilt das für das berühmt-berüchtigte „Dreckige Dutzend“. Jedes Jahr untersucht die „Environmental Working Group“ eine Vielzahl von Nahrungsmittelproben inwieweit sie Pestizide erhalten. Die 12 Lebensmittel, die am Ende im Schnitt durch alle Stichproben am stärksten mit Pflanzenschutzmitteln belastet sind, werden dann aufgelistet unter dem Namen „dirty dozen“ veröffentlicht.

 

Einige Lebensmittel können dabei helfen Schwermetalle und Pestizide zu binden und dich zu entgiften. Eins davon ist die Chlorella-Alge.

Fazit

Pflanzenschutzmittel helfen den Produzenten mehr zu produzieren und sorgen dafür, dass die Kosten für uns niedrig sind. Leider führt der gestiegene Einsatz von Pestiziden dazu, dass unsere Testosteronspiegel sinken und allgemein die Gesundheit angegriffen wird.
Um dich weniger Pestizidbelastung auszusetzen, greife zu Bio-Lebensmitteln, wann immer es dir möglich ist.

 

 

[1] https://bundesdeutsche-zeitung.de/headlines/national-headlines/glyphosat-scheinheilige-gruene-965022

[2] Clair, Emilie; Mesnage, Robin; Travert, Carine; Séralini, Gilles-Éric (2012): A glyphosate-based herbicide induces necrosis and apoptosis in mature rat testicular cells in vitro, and testosterone decrease at lower levels. In: Toxicology in vitro : an international journal published in association with BIBRA 26 (2), S. 269–279. DOI: 10.1016/j.tiv.2011.12.009.

[3] Romano, Marco Aurelio; Romano, Renata Marino; Santos, Luciana Dalazen; Wisniewski, Patricia; Campos, Daniele Antonelo; Souza, Paula Bargi de et al. (2012): Glyphosate impairs male offspring reproductive development by disrupting gonadotropin expression. In: Archives of toxicology 86 (4), S. 663–673. DOI: 10.1007/s00204-011-0788-9.

[4] https://biooekonomie.de/forscherprofil/oekosystem-grundwasser-verstehen-und-schuetzen

[5] Hayes, Tyrone B.; Khoury, Vicky; Narayan, Anne; Nazir, Mariam; Park, Andrew; Brown, Travis et al. (2010): Atrazine induces complete feminization and chemical castration in male African clawed frogs (Xenopus laevis). In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America 107 (10), S. 4612–4617. DOI: 10.1073/pnas.0909519107.

[6] https://www.gabot.de/ansicht/news/pestizide-rueckstaende-in-konventionellem-obst-386821.html

[7] http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/epigenetik-bei-ratten-fungizid-veraendert-verhalten-folgender-generationen-a-834420.html

[8] Trunnelle, Kelly J.; Bennett, Deborah H.; Tulve, Nicolle S.; Clifton, Matthew Scott; Davis, Mark D.; Calafat, Antonia M. et al. (2014): Urinary pyrethroid and chlorpyrifos metabolite concentrations in Northern California families and their relationship to indoor residential insecticide levels, part of the Study of Use of Products and Exposure Related Behavior (SUPERB). In: Environmental science & technology 48 (3), S. 1931–1939. DOI: 10.1021/es403661a.

[9] Elsharkawy, Eman E.; Yahia, Doha; El-Nisr, Neveen A. (2014): Chlorpyrifos induced testicular damage in rats: ameliorative effect of glutathione antioxidant. In: Environmental toxicology 29 (9), S. 1011–1019. DOI: 10.1002/tox.21831.

[10] Orton, Frances; Rosivatz, Erika; Scholze, Martin; Kortenkamp, Andreas (2011): Widely used pesticides with previously unknown endocrine activity revealed as in vitro antiandrogens. In: Environmental health perspectives 119 (6), S. 794–800. DOI: 10.1289/ehp.1002895.

[11] https://www.ktipp.ch/artikel/d/pestizide-im-gemuese-nur-die-bio-produkte-schneiden-gut-ab/

[12] Magnér, J et al., „Human Exposure to Pesticides from Food“, Januar 2015, (Wie Menschen Pestiziden aus der Nahrung ausgesetzt sind) (Studie als PDF)

[13] Lu, Chensheng; Toepel, Kathryn; Irish, Rene; Fenske, Richard A.; Barr, Dana B.; Bravo, Roberto (2006): Organic Diets Significantly Lower Children’s Dietary Exposure to Organophosphorus Pesticides. In: Environ Health Perspect 114 (2), S. 260–263. DOI: 10.1289/ehp.8418.

Oates, Liza; Cohen, Marc; Braun, Lesley; Schembri, Adrian; Taskova, Rilka (2014): Reduction in urinary organophosphate pesticide metabolites in adults after a week-long organic diet. In: Environmental research 132, S. 105–111. DOI: 10.1016/j.envres.2014.03.021.

Rauch, Stephen A.; Braun, Joe M.; Barr, Dana Boyd; Calafat, Antonia M.; Khoury, Jane; Montesano, Angela M. et al. (2012): Associations of prenatal exposure to organophosphate pesticide metabolites with gestational age and birth weight. In: Environmental health perspectives 120 (7), S. 1055–1060. DOI: 10.1289/ehp.1104615.

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